Von U wie ‚ungewohnt früh aufstehen‘ bis W wie ‚wahnsinnig gut essen‘

Oh, Mann, 04:00 Uhr ist nun echt nicht meine Zeit. Ich fühle mich überdreht, als hätte ich zu viel Kaffee getrunken. Leider hält der Zustand nicht lange an. Kaum sitze ich im Bus, döse ich weg und werde erst wieder bei der ersten Pause auf der Autobahn wach. Danach folgen ein paar Erklärungen unserer Reiseleitung. Ich erfahre einige amüsante Details über Kaiser Wilhelm II.

Nach seinem Großvater, dem leisen Kaiser, und seinem Vater, dem weisen Kaiser, wurde er schließlich der Reisekaiser. Für Wilhelm den Plötzlichen, dessen Kürzel I.R., das eigentlich für Imperator Rex (Kaiser und König) steht, von seinen Untertanen kurzerhand in ‚immer reisefertig‘ umgemünzt wurde, standen ständig 30 Eisenbahnwaggons parat, in denen er reisen und zugleich hofhalten konnte. Wilhelm war ein gerngesehener Gast – wenn er nicht lange blieb. Die größte Auszeichnung, die er zuvergeben hatte, war sich selbst zur Jagd einzuladen (die zweite, fotografische Porträts seiner selbst). Jedes Jahr im Sommer begab er sich mit seinem getreuen Männerbund auf seiner Yacht ‚Hohenzollern‘ auf Nordkapfahrt – Frauen war die Teilnahme verboten. Zusammen gerechnet verbrachte der Kaiser ganze 4 Jahre seines Lebens auf seiner geliebten Yacht.

Natürlich ist auch der erste Weltkrieg Thema. Tragisch, dass Wilhelm II. seinem Amt absolut nicht gewachsen war. Durch ungeschickte und teils fatale Äußerungen hat er seine Nachbarn auf allen Seiten verschreckt und sie dazu gebracht, gegen ihn zu paktieren. Später hat er sich von den Militärs die Fäden aus der Hand nehmen lassen und zu spät erkannt, in welche Tragödie Deutschland sich manövriert hatte. In Europa gingen die Lichter aus.

Wir erreichen Spa ohne Stau und anderthalb Stunden früher als geplant. Unser Hotel liegt günstig in der Innenstadt, so dass ich mit meiner Mutter bei schönstem Sonnenschein noch einen individuellen Spaziergang durch das hübsche Städtchen mit seinen vielen Thermen und dekorativen Blumenarragenements machen kann. Seit dem 16. Jahrhundert stand Spa bei den gekrönten Häuptern Europas, Adligen und wohlhabenden Bürgern als Kurort hoch im Kurs. Der Ruf der Stadt war so legendär, dass Spa zum Inbegriff des Thermalkurortes bzw. Wellnessbereiches schlechthin wurde.

Von März bis November 1918 befand sich in Spa das Hauptquartier der Obersten Heeresleitung. Hier dankte Wilhelm II. am 9. November ab (oder besser gesagt, wurde abgedankt) und von hier reiste er einen Tag später ins niederländische Asyl ab.

Das Essen am Abend im Hotel ist großartig. Nach einer Lachsterrine gibt es Hongimelone mit Parmaschinken, Ente mit Gemüselasagne und Mini-Mandelkroketten und zum Abschluss Mousse au Chocolat von zweierlei Schokolade. Dazu dunkles belgisches Bier. Ein Gedicht. Hoffentlich geht das nicht die ganze Reise so, sonst muss ich zu Hause 2 Wochen fasten. 😉

 

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