In einer kalten Mondnacht

Bevor ich mit meinem Roman angefangen habe, schrieb ich über mehrere Jahre hinweg gelegentlich Gedichte, von denen einige auch in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht wurden. Ich dachte mir, vielleicht hat jemand von euch Spaß daran, sie zu lesen, und warum sollen sie auch auf der Festplatte bzw. im Ordner vor sich hin vergilben? Um euch die Wartezeit bis zum Erscheinen von ‚Kristallblut‘ zu verkürzen, werde ich in unregelmäßigen Abständen eines davon, das gerade zur Jahreszeit oder zu meiner Stimmung passt, posten. Hier also das erste:

In einer kalten Mondnacht

(Patricia Strunk)

Lautlos jagen zerfetzte Wolken über den Himmel,
das mächtige Heer der Geister,
fahl und dunstig.
Unheil bringen sie dem,
der sich ihrer nicht zu erwehren vermag.
Sie folgen nur einem Herrn:
dem Mond, dem Herrscher der Nacht.

Unheimlich ist ihr Anblick,
weiße Schicksalsbringer aus der unendlichen Kälte des Alls,
blaugraues, dunkles Meer, das selbst die Sterne verschluckt.
Nur der Mond leuchtet hart und ewig.
Unbarmherzig ist sein klares Licht,
wenn er des Winters seinen vollen Glanz entfaltet.

Doch beim Anblick eines fallenden Sterns
erfüllt sich die Hoffnung eines nächtlichen Traumes,
noch bevor der Wunsch in die Weite enteilt
und die Mauer aus Dunkelheit durchbricht.
Ein Brillantsplitter, Leuchtfeuer im uferlosen Eismeer.
Nur den Bannkreis des Mondes
kann auch er nicht durchdringen.
Sein kaltes Feuer verzehrt jedes Licht,
das ihm zu nahe kommt.

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